Ein Elektroauto so schnell aufladen, wie es dauert, zur Tankstelle zu fahren? Das verspricht die neue Technologie des chinesischen Autoherstellers BYD.
Mit einer Ladeleistung von 1.000 Kilowatt soll das System zehnmal stärker sein als herkömmliche Schnellladesäulen und pro Sekunde genug Strom für zwei Kilometer Reichweite liefern. Doch noch ist unklar, ob diese extreme Schnellladung die Batterien nicht so stark beansprucht, dass sie für den Alltag unbrauchbar ist.

Präsentation einer neuen Plattform für Elektrofahrzeuge. Die Super-e-Plattform wird mit vielversprechenden Eckdaten und Leistungsspezifikationen beworben l Foto: BYD
Vorgestellt wurden die neuen Auto-Modelle Han L und Tang L. Sie sollen in nur fünf Minuten genug Strom für 400 Kilometer Reichweite tanken können. Zum Vergleich: Die meisten aktuellen Elektrofahrzeuge benötigen für eine ähnliche Reichweite etwa 30 bis 45 Minuten an herkömmlichen Schnellladesäulen. BYD nutzt für seinen Technologiesprung spezielle Lithium-Eisenphosphat-Akkus und neu entwickelte Siliziumkarbid-Computerchips, die mit Spannungen von bis zu 1.500 Volt umgehen können. Die Angaben zur Reichweite sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die in China verwendeten CLTC-Testverfahren sind bekannt dafür, etwa 30 Prozent höhere Werte zu liefern als Tests in Europa oder den USA. Branchenexperten schätzen, dass die tatsächliche Reichweite nach fünf Minuten Laden eher bei etwa 260 Kilometern liegen könnte. Dennoch wäre selbst dieser Wert ein bedeutender Fortschritt.
Um diese neue Technologie nutzen zu können, plant BYD den Bau von über 4.000 speziellen Ladestationen in ganz China. Diese sogenannten „Flash-Charging-Stationen“ sollen mit einem flüssigkeitsgekühlten System ausgestattet sein, das eine maximale Leistung von sogar 1.360 Kilowatt liefern kann. Das Unternehmen hat zudem eine „Dual-Gun Charging-Technologie“ entwickelt, mit der bestehende Schnellladesäulen aufgerüstet werden könnten.
Eine zentrale Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Häufiges Schnellladen verkürzt bei herkömmlichen Elektroautos die Batterielebensdauer erheblich. BYD macht bisher keine konkreten Angaben dazu, wie ihre Batterien langfristig mit dem extremen Schnellladen zurechtkommen würden und ob die Technologie für den Alltagseinsatz über mehrere Jahre geeignet ist. Trotz dieser offenen Fragen stellt die Technologie einen echten Durchbruch dar. Lange Ladezeiten gehören nach wie vor zu den größten Bedenken, die Menschen beim Kauf von Elektroautos haben. Wenn das Aufladen tatsächlich so schnell wie das Tanken werden könnte, würde dies ein wesentliches Hindernis für die breite Akzeptanz von Elektrofahrzeugen beseitigen.
Die Finanzmärkte reagieren jedenfalls optimistisch: Nach Bekanntgabe der neuen Technologie stieg der Aktienkurs von BYD an der Börse um 4,1 Prozent auf ein Rekordhoch von 408,80 Hongkong-Dollar. Tesla-Aktien fielen hingegen um mehr als 5 Prozent. BYD ist inzwischen der weltweit größte Hersteller von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen und könnte mit dieser Innovation seinen Vorsprung weiter ausbauen. Allerdings beträgt der Börsenwert des Unternehmens mit etwa 120 Milliarden US-Dollar nur etwa ein Sechstel des Marktwerts von Tesla, der bei rund 720 Milliarden US-Dollar liegt.
Ob und wann die Technologie nach Europa kommt, ist noch nicht bekannt. In den USA würden die hohen Zölle von 100 Prozent auf chinesische Elektroautos die Fahrzeuge ohnehin preislich unattraktiv machen.
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